Geschichte Rodersdorfs

Rodersdorf war eine der fettesten Pfründe des Dekanats. Ausser der Pfarrkirche bestand schon vor 1249 eine dem heiligen Kreuz, St. Katharina und St. Erasmus geweihte Kapelle. Sie wurde 1294 von Bischof Berthold von Pfirt zu einer Kaplanei umgewandelt, welche bis zur Französischen Revolution Bestand hatte. Der Kirchensatz, und somit auch die Rechte an den Einkünften, lag durchwegs in den Händen der Dorfherren; zuerst der Ratolsdorfer, dann der Rotberger. Diese stellten jeweils den Pfarrektor, welcher nach den Gebräuchen der damaligen Zeit die Einkünfte einstrich und vor Ort einen sogenannten Leutpriester einsetzte und besoldete.

Bild: Päpstlicher Ablassbrief, Avignon 1336.

Der Verkauf des Kirchdorfes an Solothurn machte Rodersdorf zur internationalen Pfarrei. Fortan mussten die zum Fürstbistum Basel gehörigen Burgthaler und die österreichischen Biederthaler und  Liebenswiller im Ausland taufen, heiraten und ihre Toten begraben. Als Biederthal und Liebenswiller  nach dem Dreissigjährigen Krieg französisch geworden waren, sassen gar drei Nationen in einer Kirche. Wie Pater Anselm Dietler in seinen Vetera Analecta überliefert ruhten ihre Toten auf dem Friedhof fein säuberlich getrennt; die Rodersdorfer in der Mitte, die Biederthaler westlich und die Liebenswiller östlich davon.

Erst 1804, unter Napoleon, wurden die anderen Dörfer kirchlich von Rodersdorf losgelöst, nachdem sie schon vorher vom Bistum Basel getrennt und zum Bistum Strassburg geschlagen worden waren, wodurch der Pfarrer vorübergehend zwei bischöflichen Herren dienen musste.

 

Rodersdorf unter Solothurn

Schon kurz nach 1515 zeitigte der Herrschaftswechsel zu Solothurn Folgen. Es war eine Zeit revolutionären Aufbruchs im Vorfeld der Reformation, der 1525 in den Bauernkrieg mündete. ,,Wir wöllent Schwyzer werden!" tönte es im Elsass und im Schwarzwald. Selbst im nun solothurnischen Leimental drohte es vorübergehend unruhig zu werden. Im damaligen Vorderösterreich aber, zu welchem unser Hinterland gehörte, endete der Volksaufstand mit einem furchtbaren Gemetzel an den Bauern und mit deren vollkommenen Entrechtung.

Solothurn handelte in den anschliessenden Wirren der Reformation für die damalige Zeit erstaunlich demokratisch. Es liess in den Gemeinden abstimmen und setzte, je nach Mehrheit, einen Priester oder ein Prädikanten ein. Rodersdorf stimmte mehrheitlich für das „alte Wesen“, bekam aber trotzdem einen Prädikanten vorgesetzt. Nachfragen beim Vogt ergaben, dass die Boten, welche das Resultat zu überbringen hatten, die Obrigkeit falsch berichtet hätten! Die Gemeinde weigerte sich, den Prädikanten anzunehmen und verweigerte ihm das Gehalt. Trotzdem inszenierten einige Heisssporne einen Bildersturm. Aus den Wirren ging um 1530 ein einheitlich altgläubiger Stand Solothurn hervor, mit der einzigen Ausnahme des kirchlich Bern unterstellten Bucheggberges.

 

Umbrandet vom Dreissigjährigen Krieg

Die Lage des exponierten Rodersdorf war im Dreissigjährigen Krieg äusserst bedrohlich. Zwischen 1633 und 1644 befand es sich des öfteren gleichsam im Belagerungszustand. Dass es weitgehend unversehrt aus dem Konflikt hervorging, ist zwei Pfarrherren zu verdanken.

Bis 1637 war Urs Gertenhofer nicht nur Pfarrer von Rodersdorf sondern zeitweise auch Kommandant der solothurnischen Truppen im Leimental. Er war umsichtig, pflog Kontakte mit den Offizieren der kriegerischen Parteien und verpflegte sie öfter im Pfarrhaus. Auch liess er bei der grössten Hungersnot Lebensmittel herbringen, und hielt sie den ausgehungerten Truppen feil. Daran fanden die Obersten solchen Gefallen, dass sie alle Anschläge auf Rodersdorf verboten. Aber auch der Bevölkerung der Umgebung wurde Zuflucht geboten. Im April 1636 listete ein amtliches Verzeichnis für Rodersdorf 548 Flüchtlinge auf; an gesunden 150 begüterte, 307 mittellose sowie 91 kranke. Damit dürfte die Zahl der Flüchtlinge diejenige der Einwohner weit übertroffen haben.

<< zurück